Pressespiegel / Press

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Die ausgeschriebenen Pressetexte

Lippische Landeszeitung Detmold, 25.10.2017, Duo Simolka-Wohlhauser

Aus der Herbsttournee 2017 des Duos Simolka-Wohlhauser mit 10 Uraufführungen in 9 Städten: Basel 30.09.2017, Rheinsberg 07.10.2017, Berlin 08.10.2017, Paris 14.10.2017, Oldenburg 19.10.2017, Hamburg 21.10.2017, Detmold, 22.10.2017, Weimar 28.10.2017, Erfurt 29.10.2017.


LLZ Detmold, 25.10.2017, Duo



Fuldaer Zeitung, 07.10.2017, Seite 3

Aus der Uraufführungstournee von "Quamakútsch" mit dem art ensemble berlin am 17.6.2017 in Berlin, am 26.9.2017 in Berlin, am 2.10.2017 in Stuttgart, am 3.10.2017 in Winterthur, am 4.10.2017 in Basel, am 5.10.2017 in Fulda.


Fuldaer Zeitung, 07.10.2017, S. 3

Dissonance 03.2017, Neos-CDs Nrn. 3 und 4 der Edition Wohlhauser

NDR Kultur 28.12.2016

"… das faszinierende "Duett" für einen Solo-Bariton von René Wohlhauser …"

Schlitzer Bote, 15. November 2016, Konzert in Schlitz 6.11.2016

Badisches Tagblatt, 9. November 2016, Konzert in Baden-Baden 7.11.2016


Badisches Tagblatt, 9. November 2016

Diapason Feb. 2016, Neos-CD Nr. 3


Diapason Feb. 2016

Der Landbote, 14. November 2015, Aufführung "Manía" in Winterthur

Neue Musikzeitung, Oktober 2015, CD-Rezension "Manía"

Basler Zeitung, 19. September 2015, Tagestipp der Redaktion

Fidelity, Sept./Okt. 2015, CD-Rezension

Fono Forum, August 2015, CD-Erwähnung

Schweizer Musikzeitung, April 2015, CD-Rezension

Heilbronner Stimme, Aufführung am 23. Januar 2015

Basler Zeitung, 8. Dezember 2014, Sartre-Skandal

Neue Musikzeitung, April 2014, CD-Rezension "Quantenströmung"

Dissonanz, März 2014, Buch-Rezension

Schweizer Musikzeitung, Feb. 2014, CD-Rezension

Fonoforum, Jan. 2014, CD-Rezension

NZfM, Buch-Hinweis, Nov. 2013

Dissonanz, Sept. 2013; CD-Rezension

Basler Zeitung, 10. Aug. 2013; Porträt, Buch, CD, Tournee

Fachhochschule Nordwestschweiz - Newsletter Februar 2013



Schweizer Musikzeitung, Januar 2013, UA "Uom Raswékje Nadak"

Arlesheimer Wochenblatt, 15.11.2012

Ausgeschriebener Text


Neue Musikzeitung, September 2012: Duo-Tournee und Uraufführungen

Schweizer Musikzeitung, Nov. 2011, Interview über Miktrotonalität


Konzert 5.2.2011 / Volksstimme 8.2.2011


CD-Rezension in der Schweizer Musikzeitung, April 2010

Ausgeschriebener Text


CD-Rezension in der NZZ vom 26.3.2010

CD-Rezension in Neue Zeitschrift für Musik, 2/2010

Ausgeschriebener Text

Neue Zeitschrift für Musik, Mainz

Konzert 23.01.2010/CD/Tages-Anzeiger 22.01.2010

Ausgeschriebener Text

Tages-Anzeiger, Zürich

CD-Rezension in Skug, 8. Jan. 2010

Ausgeschriebener Text

Konzert 14.11.2009/Schweizer Musikzeitung Dezember 2009

Ausgeschriebener Text

CD-Rezension Zeitschrift Dissonanz Dez. 2009

CD-Rezension in der Basler Zeitung vom 17. Oktober 2009

Ausgeschriebener Text

Aufführung 19.9.2009/Dissonanz Dez. 2009

Ausgeschriebener Text

Aufführung 19.9.2009/Schweizer Musikzeitung Nov. 2009

Ausgeschriebener Text

Polysono-Konz. 13.1.2008/Der Bund 15.1.2008

Ausgeschriebener Text

Zum Tod von Karlheinz Stockhausen, Umfrage der Basler Zeitung 10.12.2007

Ausgeschriebener Text

Polysono-Konz. 7.1.2007/Basellandschaftliche Zeitung 10.1.2007

Liedduo-Konz. 10.9.2006/Der Brienzer 19.9.2006

Oper/Zeitschrift Dissonanz März 2005

Oper/Blick 8.11.2009

Oper/Basler Zeitung 8.11.2004

Oper/Baslerstab 2.11.2004

Oper/Schweizer Musikzeitung Okt. 2004

Oper/Zeitschrift Dissonanz Sept. 2004

Australien-Einladung 2001

Textausschnitt

Blick, 2001-08-08


Basler Zeitung 28. Februar 1996

Ausgeschriebener Text

Komponistenporträt auf Radio DRS 2 am 27. September 1995

Ausgeschriebener Text





Die ausgeschriebenen Pressetexte


CD-Rezension in der Schweizer Musikzeitung, April 2010

René Wohlhauser
»Komponistenportrait«
Musiques Suisse/Grammont Portrait

Schweizer Musikzeitung, April 2010 | Text: Michael Heisch

Permanent wechselnde Gesten

Orientierung tut not. Seine Musik ist sperrig und oftmals überspannt. Charakteristisch in René Wohlhausers Kompositionen sind vielleicht die sich permanent wechselnden Gesten, womit ein aufmerksames Zuhören noch zusätzlich erschwert wird. Es sind Anordnungen, die mit Überhäufung von Informationen auf engstem Raum geradezu operieren; doch gerade hierin, so scheint es, vermag die Musik für einen kurzen Moment das Zeitgefühl auszuhebeln. Hinter all dem steckt kein bloßer Selbstzweck, sondern das Bekenntnis des 56-jährigen Baslers, »anspruchsvolle und qualitativ hoch stehende Musik als Protest und Notschrei gegen die allgemeine Indifferenz« schreiben zu wollen.

Wohlhauser fordert ebenso eine »radikal individualistische Schreibweise« als »Gegenbegriff zum Epigonalen und Eklektizistischen«. In seinen Werken sind indes New Complexity-Vorbilder deutlich erkennbar, etwa im Streichquartett »carpe diem in beschleunigter Zeit« (1998/99). Für diese Einspielung hat Wohlhauser das renommierte Arditti Quartett gewinnen können. Die vier Volldampf-Interpreten nehmen sich dieser üppigen Dichte entschlossen und werkgetreu an und verleihen dem Stück mit ihrem druckvollen Spiel eine zusätzliche Dynamik. Zuletzt bleibt der Hörer etwas ratlos zurück. Ein blaßblauer Ferneyhough-Schatten? In seiner »sperrigen Verweigerung« klingt das rund 13-minütige Stück so, wie manch einer glaubt, daß zeitgenössische (komplizierte) Musik eben zu klingen habe.

Wunderbare Abwechslung bietet da die Cello-Kantilene »Gedankenflucht« (1995). Beeindruckend diese Eleganz, Generalpausen und flüchtige Einwürfe wechseln sich ab. Cellist Martin Jaggi beweist sein Geschick als umsichtiger Interpret und weiß die abwechslungsreich angelegte Ökonomie der Klänge überzeugend zu gestalten.

Michael Heisch

CD-Rezension in Neue Zeitschrift für Musik, 2/2010

Neue Zeitschrift für Musik 02/2010, Seite 86

Wohlhauser, René
Porträt-CD

Verlag/Label: Musiques suisses MGB CTS-M 117
Rubrik: CDs

Wohlhausers Thesen zur Ästhetik des Widerstands gegen «Indoktrination und Gleichschaltung des Empfindens durch süffigen Wohlklang», unter Berufung auf Hegel, Gorki und Adorno im Booklet vorgebracht, klingen stich­haltig. Ebenso seine Gedanken zum Wesen der musikalischen Zeit. Respektheischend auch seine Titel und Werkkommentare. Die klanglichen Einlösungen stechen minder, obwohl sich die besten Interpreten ihrer annehmen. Voran das Arditti String Quartet, das sich seinem «Stück über die Vergänglichkeit des irdischen Seins und die Transzendenz» namens carpe diem in beschleunigter Zeit (1998/99) mit routinierter Eleganz hingibt. Der Sinnspruch aus den Oden des Horaz hin, der «Zeitbaum» des Chaosforschers Friedrich Cramer her: Hingefetztes Partikelgestöber, aufgescheuchte Punktscharen, umherirrende Monaden und vom Winde verwehte Tonschlieren dienen der erwünschten «Konzentration auf den Augenblick» zwecks «vertiefender Erfahrung von Zeit» nur bedingt. Im Blick auf das «vom Schicksal umhergetriebene Individuum in der heutigen Zeit», das Géricault in seinem Gemälde Das Floß der Medusa voraus­sah, versinnbildlicht Wohlhauser im Cello-Solostück Entropía (1997/98) das Phänomen zunehmender Unordnung in geschlossenen Systemen, wobei der eigendynamische Auflösungsprozess neue Beziehungen hervorbringt. Ineinanderfließende Stimmungen zerrütten die Gedankenflucht für Violoncello und Klavier (1995), während die Quantenströmung für Flöte, Viola und Harfe (1996) «Übergänge von einem Energie­zustand in einen anderen» beschreibt. Erquickend die lerchenartige Musik für Flöte (2002) mit Tabea Resin.

Lutz Lesle

Konzert 23.01.2010 / CD-Rezension / Tagesanzeiger 21.01.2010

KLASSIKTIPP

SPRECHEN SIE SULAWEDISCH?
«Sulawedisch» ist eine eigentümliche Sprache. Gesprochen wird sie wohl nur in Wohlhausen. Besser noch: Sie wird gesungen. Erfunden hat die Sprache der Basler Komponist RENÉ WOHLHAUSER 2005 für seine «Sulawedischen Lieder, Gesänge und Vokalstücke». Zu hören ist sie auch in seinem neuen Werk «Iguur - Blay - Luup», das jetzt in der Helferei uraufgeführt wird. Aber auch wer diese fiktive Sprache nicht versteht, kann ihren Sinn erahnen. Und das gerade ist bezeichnend für Wohlhausers Musik: So hoch elaboriert und komplex sie ist, so transportiert sie doch auf oft unmittelbare Weise Elementares. Das zeigt sich auch auf der neuen Porträt-CD von Wohlhauser beim Label Musiques Suisses. Sprunghaft und zuweilen jäh klingen die Stücke, und sie entladen sich unter ungemeinem Energiedruck.
In Zürich interpretiert der Komponist seine neuen Stücke am Klavier, zusammen mit der Sopranistin Christine Simolka und einem Kammerensemble. Ausserdem erklingen Werke von Klaus Huber, Heinz Holliger und James Clarke. Die Flötistin Ursula Seiler Kombaratov schliesslich steuert ein eigenes Lied bei. (my)

Zürich, Kulturhaus Helferei, Kirchgasse 13, Sa 23. 1., 20 Uhr

aus: Tages-Anzeiger / züritipp, 21. Januar 2010


CD-Rezension in Skug, 8. Jan. 2010

René Wohlhauser
»Komponistenportrait«
Musiques Suisse/Grammont Portrait

skug, Journal für Musik | Text: Michael Heisch | Fri 8. Jan. 2010
http://www.skug.at/

Orientierung tut not. Seine Musik ist sperrig und oftmals überspannt. Charakteristisch in René Wohlhausers Kompositionen sind vielleicht die permanent wechselnden Gesten, womit ein aufmerksames Zuhören noch zusätzlich erschwert wird. Es sind Anordnungen, die mit überhäuften Informationen auf engstem Raum geradezu operieren; doch gerade hierin erscheint es, vermag die Musik für einen kurzen Moment das Zeitgefühl auszuhebeln. Hinter all dem steckt kein bloßer Selbstzweck, sondern das Bekenntnis des 56-jährigen Baslers, »anspruchsvolle und qualitativ hoch stehende Musik als Protest und Notschrei gegen die allgemeine Indifferenz« auszudrücken, so Wohlhauser in seinen eigenen Wort im Beilagetext zur Komponistenportrait-CD des Grammont-Migros-Labels.

Wohlhauser fordert eine ebenso »radikal individualistische Schreibweise« als »Gegenbegriff zum Epigonalen und Eklektizistischen«. In seinen Werken sind indes New Complexity-Vorbilder deutlich erkennbar, etwa im Streichquartett »carpe diem in beschleunigter Zeit« (1998/99). Für diese Einspielung konnte Wohlhauser das renommierte Arditti Quartett gewinnen. Die vier Volldampf-Interpreten nehmen sich dieser üppigen Dichte entschlossen und werkgetreu an und verleihen dem Stück mit ihrem druckvollen Spiel eine zusätzliche Dynamik. Zuletzt bleibt der Hörer etwas ratlos zurück. Ein blaßblauer Ferneyhough-Schatten – in der »sperrigen Verweigerung« klingt das rund 13-minütige Stück, wie so manch einer glaubt, wie zeitgenössische (komplizierte) Musik eben zu klingen habe.

Wunderbare Abwechslung bietet da die Cello-Kantilene »Gedankenflucht« (1995). Beeindruckend diese Eleganz, Generalpausen und flüchtige Einwürfe wechseln sich ab. Cellist Martin Jaggi beweist sein Geschick als umsichtiger Interpret und weiß die abwechslungsreich angelegte Ökonomie der Klänge überzeugend zu gestalten. Weitere vorzügliche Interpreten sind u. a. das Sabeth Trio Basel, Trio Accanto.

Michael Heisch

Konzert 14.11.2009/Schweizer Musikzeitung Dezember 2009

… Eigentlicher Höhepunkt des Abends waren die hervorragenden musikalischen Beiträge: … die Sopranistin Christine Simolka und der Basler Komponist René Wohlhauser (eine Uraufführung war René Wohlhausers Bearbeitung eines Pleni sunt coeli von Pierre de la Rue) …

CD-Rezension Basler Zeitung 17. Oktober 2009

Visionen einer Gegenwelt
Der Mitschnitt der Uraufführung von René Wohlhausers Streichquartett «carpe diem in beschleunigter Zeit» steht am Anfang dieses klingenden Porträts. Es ist schnelle, ungemütliche, gepresste, huschende Musik wie auf der Flucht, vom Arditti-Quartett hinreissend vital exekutiert. Am Ende die «Rachearie» aus Wohlhausers «Gantenbein»-Oper – expressionistisch-gezackte und wiederum herzhaft schroffe, ungefällige Musik. Die Erklärung für solche Ungebärdigkeit liefert der 55-jährige Basler Kompositionsdozent Wohlhauser im Booklet-Essay: Er strebt «Visionen einer Gegenwelt» an. (Sigfried Schibli)

Aufführung 19.9.2009/Dissonanz Dez. 2009

…la pianiste Simone Keller … frappait par sa musicalité. Elle l'a aussi montrée dans sulla tastiera, malicieuse pièce de poésie sonore de René Wohlhauser qu'elle interprétait sans jamais faire sonner classiquement son piano, en explorant toutes les possibilités percussives avec délectation. (Benoît Perrier in der "Dissonanz" vom Dezember 2009.)

Aufführung 19.9.2009/Schweizer Musikzeitung Nov. 2009

Von René Wohlhauser ist aus dem Zyklus Sulawedische Lieder nur ein einzelnes Lied sulla tastiera herausgegriffen worden, mit gesprochenem Text, lautpoetisch, und Klangproduktion auf der Tastenoberfläche. (Fritz Muggler in der "Schweizer Musikzeitung" vom November 2009.)

Polysono-Konzert 13.1.2008/Der Bund 15.1.2008


Die Komplexität der Genauigkeit
Unterschiedliche Facetten zeitgenössischer Musik: René Wohlhauser und das Ensemble Polysono

Das aktuelle Programm des Ensembles Polysono gibt einen Einblick in das Schaffen des Schweizer Komponisten René Wohlhauser. Im Berner Konservatorium fand es im kleinen, aber feinen Rahmen statt.

«Togeriso wira setu. Se setu. To to to to, sese sese!» Stark artikulierte Silben dringen aus dem Mund der Sängerin. Auf einem einzigen Ton nur deklamiert sie ihre Phrasen, was der Wirkung ihrer Rezitation jedoch keine Abstriche tut. Die stimmliche Dichte und der scharfkantige Rhythmus gehen unter die Haut. Zur Gesangsstimme gesellt sich nun das Klavier mit ebenso kargem Tonmaterial und führt eine garstige Mittelstimme ein. Diese verwebt sich mit der Gesangslinie bis in die Höhe. Dann einige abschliessende Klangspritzer. Verharren in der Stille. Applaus.

Grenze der Verständlichkeit

Der Brienzer Komponist René Wohlhauser arbeitet gerne mit der Stimme. Für ihn ist sie das «direkteste Instrument», weil die Klänge beim Singen und Rezitieren unmittelbar im Körper der Interpreten entstehen. Darüber hinaus beschäftigen Wohlhauser Sprech- und Sprachprozesse, die er in seinen Werken thematisiert. Zum Beispiel verwendet er Lautpoesie wie etwa in drei Werken des Konzertes im Berner Konservatorium. Wohlhauser dichtet die stark konstruierten Verse selber und positioniert sich damit in der zeitgenössischen Lyrik. Lautpoesie bietet für ihn die Möglichkeit, Sprache selber zu färben und zu rhythmisieren, sie eigenhändig mit Assoziationen zu beladen. So wird sie zur Kunstsprache, die sich durch die Gesten der Musik verständlich macht. Trotzdem bewegt sich Lautpoesie immer an der Grenze zwischen Bewusstem und Unbewusstem. Sie verkörpert für den Komponisten eine Sehnsucht nach dem Idyllischen und Romantischen, das in der klassischen Lyrik direkt ausformuliert wurde.

Atemlosigkeit der heutigen Zeit

Die Texte von Wohlhausers Liedern sind nicht leicht verständlich. Dass das Publikum sich aufmerksam in die Stücke hineinhören muss, liegt aber auch in der Musik selbst begründet. Die Kompositionen des Schülers von Brian Ferneyhough bergen einen hohen Grad an Komplexität. Wohlhauser erklärt im Gespräch, dass sie sich aus der Suche nach einer Genauigkeit im Ausdruck ergebe. Seine Werke drücken in der Tat starke Stimmungen aus.
Dies zeigt die «Studie über Zustände und Zeitprozesse», die erste der drei Uraufführungen des Abends. Sie beginnt mit dichten, abgehackten Passagen, die die Atemlosigkeit der heutigen Zeit demonstrieren, und mündet in einer Dehnung der zeitlichen Wahrnehmung, einer Distanznahme zur philosophischen Reflexion.
Eine unnachgiebige Hörhaltung verlangt auch die Tatsache, dass Wohlhausers Werke sehr gegensätzlich geprägt sind. Auf seiner Suche nach ständiger Erneuerung beginnt er jedes Werk bei null. In seiner Individualität eindrücklich gelungen ist «Entropia» für Cello solo, das wiederum sehr kompakt gestaltet ist. Wirkungsvoll aufgeführt von Markus Stolz, fesselt die eigenwillige Klanglichkeit des Werkes.
Das Ensemble Polysono interpretiert in den übrigen Werken der Lehrer- und Schülergeneration Wohlhausers ebenfalls vorzüglich. Die Sopranistin Christine Simolka
zeigt auch in anspruchsvollen Werken keine Unsicherheiten. Die Komposition «Anblicke im Wasser» von Ursula Seiler ist musikalisch schön gebaut, verliert etwas durch die zugrundeliegende Idee, die oberflächlich wirkt. Die junge Komponistin vertritt Wohlhausers Nachfolgegeneration und erlaubt einen Blick in die Zukunft der Neuen Musik.
(Michelle Ziegler im "Bund" vom 15. Januar 2008)

Zum Tod von Karlheinz Stockhausen, eine Umfrage 10.12.2007

© Basler Zeitung; 10.12.2007; Seite 2

panorama

KulturMagazin

«Genialisch und problematisch»

Basler Musiker zum Tod des deutschen Komponisten Karlheinz Stockhausen
UMFRAGE: SIGFRIED SCHIBLI

Letzte Woche ist wie gemeldet der Komponist Karlheinz Stockhausen 79-jährig in Köln gestorben. Einige Stimmen zum Tod dieses Pioniers der Neuen Musik.

In der persönlichen Begegnung erlebte Rudolf Kelterborn Stockhausen als «äusserst problematisch». Aber er versagt ihm nicht die Hochachtung: «Stockhausen war in verschiedener Beziehung ein Pionier», sagt Kelterborn, dessen eigenes Schaffen denkbar weit entfernt von dem Stockhausens ist. «Seine ungeheure Fantasie beeindruckte mich immer, auch in seiner streng seriellen Zeit ging ihm immer ein Fenster auf, sogar noch mehr als seinem Kollegen Pierre Boulez.»

BESCHEIDEN. Engen Arbeitskontakt zu Stockhausen hatte Thomas Kessler, der frühere Leiter des Elektronischen Studios der Musik-Akademie. Er nimmt Stockhausen in Schutz: «Sein Name ist weltweit ein Begriff, aber wo bleibt die gesellschaftliche Akzeptanz oder wirtschaftliche Anerkennung? Als einer der wichtigsten deutschen Künstler seiner Generation hatte Stockhausen ein eher bescheidenes Einkommen. Umso unbescheidener wirkten seine Forderungen und seine messianisch-überzeugten Äusserungen. Aber ich habe mich immer wieder gefragt, ob das nicht auch eine Art Trotzreaktion war, mit der er die Situation des einsamen Künstlers – und das war er mit zunehmendem Alter – überwinden wollte.»

René Wohlhauser, ein jüngerer Komponistenkollege von Kelterborn und Kessler, spricht von der «prägenden Bedeutung» Stockhausens. «Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit als junger Komponist, als ich Leuten zu erklären versuchte, welche Art Musik ich schreibe. Um zu testen, ob mein Gegenüber weiss, was zeitgenössische Musik ist und wie sie klingt, habe ich immer gefragt, ob er oder sie Stockhausen kenne. Stockhausen als Inbegriff für moderne Musik, das war auch bis in die Kreise der Jazz- und der Rockmusik in den Sechzigerjahren nichts Ungewöhnliches. Sogar die Beatles liessen sich durch ihn zu einigen klangexperimentellen Stücken anregen. Kaum ein anderer zeitgenössischer Komponist erzielte in jenen Jahren eine solche Breitenwirkung.»

Die von der baz befragten Komponisten nennen auf die Frage nach ihren Lieblingswerken frühe Stücke Stockhausens. Für Kelterborn sind dies «Gruppen», «Kontrapunkte» und «Momente» aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Kessler nennt einige Werke, «wo ich Stockhausen in Zusammenarbeit während Proben und Konzerten näher kennengelernt habe: ‹Mantra› und ‹Mikrophonie I und II›. Da war er ganz einfach ein grossartiger Musiker, der seine Partitur genau kannte, äusserst präzis und kollegial in der Arbeit, ja fast bescheiden, wenn es um Musik ging.»

SPEKTAKULÄR. Zum Verhältnis von Werk und Persönlichkeit Stockhausens sagt Thomas Kessler: «Sein Werk ist ja teilweise schon zu seinen Lebzeiten Musikgeschichte geworden. Ich kann trotzdem verstehen, dass er immer darunter litt, dass seine Musik viel zu selten aufgeführt wird. So widersprüchlich das klingt, im Vergleich zur Berühmtheit seines Namens stimmt das. Über seine spektakulären Opernaufführungen wurde viel geschrieben, aber sie gehören ebenso wenig zum Repertoire wie seine Orchesterwerke.»

KLASSISCH. Was überlebt von Stockhausens Werk? Wohlhauser meint: «Alles wird sicher nicht überleben, aber vieles. Wenn man am lucerne festival 2007 erlebt hat, mit welcher Leichtigkeit und Präzision die junge Dirigentengeneration die ‹Gruppen› musiziert hat, dann kann man sagen, dass dieses Stück bestimmt schon jetzt zu den Klassikern gehört.»

Nicht auf alle jüngeren Musiker ist Stockhausens Wirkung gross. Die Geigerin und Komponistin Helena Winkelman bekennt: «Viele andere Komponisten der Moderne stehen mir persönlich näher.» Und auf die Frage, ob Stockhausens Werk ohne seine Person weiter existieren kann, meint sie: «Keine Persönlichkeit kann ein Werk solchen Ausmasses derart in den Schatten stellen, dass dieses mit dem Verschwinden der Person gefährdet wäre. Unzählige Komponisten haben von Stockhausen gelernt und sich von ihm beeinflussen lassen – zum Guten, manchmal vielleicht auch nicht.»

Australien-Einladung 2001

… exceptionally clear musical thinking, and reward the intense efforts of the performers. A wonderfully magical moment happens, for example, in Wohlhauser's piece when the top notes of the viola are combined with the lowest notes of the harp in short, synchronised repetitions so soft as to be barely audible. (Robert A. Davidson, in: "Real Time + On Screen", Brisbane, July 22, 2001)

Basler Zeitung 28. Februar 1996

Zu den interessantesten jüngeren Schweizer Musikerfindern zählt der 1954 geborene René Wohlhauser, dessen Ästhetik sich gleichermaßen an der Tradition der Moderne (am stärksten wohl der Wiener Schule) wie an naturwissenschaftlichen Theoremen der Gegenwart herausbildet. (Sigfried Schibli in der "Basler Zeitung", 28. Februar 1996.)

Komponistenporträt auf Radio DRS 2 am 27. September 1995

Bei näherem Hinhören entpuppt sich seine Musik als komplexes Geflecht von Bewegungen, von Energien, von Kraftlinien. Der in Basel lebende Komponist René Wohlhauser, Schüler von Jacques Wildberger und Brian Ferneyhough, läßt sich immer wieder von philosophischen, künstlerischen und naturwissenschaftlichen Ideen inspirieren, von Hegels Zeitbegriff, Monets Wirklichkeitsauffassung oder Leonhard Eulers Unendlichkeitsbegriff. Wohlhauser strebt in die Tiefe. Davon ausgehend aber gelangt er zu einer genuin musikalischen Darstellung. Sein ästhetisches Ziel ist: nicht modisches Gewerbe, sondern Authentizität. Die vielschichtigen Prozesse in seiner Musik können so auch als Parabel auf die komplexen Vorgänge in dieser Welt aufgefaßt werden. (Thomas Meyer im "Tele" zum Komponistenporträt auf Radio DRS 2 am 27. September 1995.)

Arlesheimer Wochenblatt, 15.11.2012

"In die Welt des Literaten und Autors, der sich tiefgründig, präzise, verschachtelnd formulierend mit der Welt, seiner Stellung darin, aber auch seinen Wünschen und seinen Problemen auseinandersetzt, entführte René Wohlhauser. Er las als Schriftsteller Passagen aus seinem Romanmanuskript." Heiner Leuthardt im Arlesheimer Wochenblatt, Donnerstag, 15. November 2012